Sonepar Deutschland ist Marktführer im deutschen Elektrogroßhandel. Das Sortiment reicht von der Glühlampe bis hin zu Klimaanlagen. Mit einer ausgefeilten Logistik sorgt Sonepar Deutschland dafür, dass jeder vorrätige Artikel innerhalb von 24 Stunden beim Kundenbetrieb oder direkt auf der Baustelle ist. Die IT ist der Schlüssel dafür, dass diese und andere Prozesse reibungslos ablaufen. Dafür sorgen die Mitarbeiter der Sonepar Deutschland Information Services GmbH, und sie betreiben außerdem das konzerninterne Rechenzentrum. Jürgen Bartling, Geschäftsführer des internen IT-Dienstleisters, ist überzeugt, dass der Erfolg von Sonepar in erster Linie der konsequent gelebten Kundennähe zu verdanken ist. Für Bartling und sein Team heißt das, dass sie nah an den Anwenderbedürfnissen sein müssen. Dabei muss die Informationstechnologie ständig den Spagat zwischen der Einhaltung definierter Standards und ausreichender Flexibilität für neue Anforderungen und Innovationen bewältigen. Strategisch ist der IT-Bereich eng mit dem Konzern verzahnt. Dies erscheint Jürgen Bartling auch sinnvoll, denn die größte Herausforderung für einen IT-Manager ist das Verständnis der unternehmensinternen Organisation und der Prozesse.
Herr Bartling, Sonepar Deutschland ist eines der führenden Unternehmen im deutschen Elektrogroßhandel und Teil der französischen Sonepar S.A. Ihr Credo lautet: Think global, act local. Welche Geschäftsstrategie macht Sie im deutschen Markt so erfolgreich?
Sie haben es selbst gesagt: Think global, act local. Der Kunde steht im Mittelpunkt und unser erstes Ziel ist, möglichst nah beim Kunden zu sein. Das bedeutet, wir müssen die regionalen Besonderheiten kennen und Menschen vor Ort haben, die den Kunden nicht nur verstehen, sondern ihn auch in seinen Prozessen unterstützen. Als wesentliche Säule des Erfolges der Sonepar sehe ich die Ermutigung der Mitarbeiter vor Ort, Verantwortung zu übernehmen und selbständig zu handeln. Die Herausforderung bei dieser Individualisierung ist, die Kosten durch zentrale Services im Griff zu behalten. Auch hier zeigt die Sonepar, dass sie in der Lage ist, Individualität und Effizienz unter einen Hut zu bringen.
Wie würden Sie die zentralen Geschäftsanforderungen an die Unternehmens-IT von Sonepar definieren?
Es gibt vier strategische Säulen in unserer IT-Organisation. Diese Säulen entsprechen den zentralen Geschäftsanforderungen der Unternehmens-IT. Da ist zunächst die Unterstützung in den produktiven Prozessen, angefangen bei der Bereitstellung einer hochverfügbaren und sicheren IT-Infrastruktur, über Durchführung von Aufgaben wie der Lieferung umfassender Produktinformationen und Lieferantenpreisen bis hin zur Durchführung von Massenänderungen in den bestehenden Daten. Dann haben wir die flexible Anpassung der bestehenden Lösungspalette an sich ändernde Prozesse, die Implementierung von neuen Software-Paketen und die Programmierung von Schnittstellen sowohl zwischen den verschiedenen internen Software-Paketen als auch zu Kunden- und Lieferantendaten und -systemen. Unsere dritte Säule ist der Bereich Organisation. Hier werden Konzepte erstellt, Vorgaben für die Programmierer geschrieben, Anwenderschulungen durchgeführt und der Kontakt zu den Anwendern gehalten. Die vierte Anforderung betrifft den Bereich Innovation. Es ist unsere Aufgabe, Entwicklungen und Trends in der IT zu beobachten, eine IT-Strategie zu entwickeln und Vorschläge für die Umsetzung in die Praxis zu erarbeiten.
Weltweit gehört die Sonepar-Gruppe zur Spitzengruppe des Elektrogroßhandels. Um diese Position zu halten, verstärken Sie sich auch durch Akquisitionen. Wie integrieren Sie die neuen Gesellschaften mit Ihren Sortimenten in die bestehende Infrastruktur?
Es gibt fest definierte Standards, an denen wir nicht rütteln und die bindend für die neuen Kollegen sind. Einer dieser Standards ist die Vereinheitlichung der IT. Dadurch sichern wir eine stabile Basis für unsere Geschäftsprozesse. Am wichtigsten ist es, von den neuen Kollegen zu lernen und die Stärken der neuen Gesellschaften zu nutzen. So haben wir nach jeder Akquisition eine Verbesserung unserer Abläufe und einen Zuwachs an Know-how und Effizienz.
Die Geschäftsführung von Sonepar Deutschland und ein kleines Management-Team der Holding treiben als strategische Vordenker und Berater in operativen Dingen die Entwicklung der Gruppe voran. Wie sind Sie als IT-Spezialisten an diesem Planungsprozess beteiligt?
Die Weiterentwicklung der Sonepar erfolgt über eine Reihe von Steuerkreisen, in denen Ideen, mögliche Optionen und Vorgaben erarbeitet und abgestimmt werden. In diesen Steuerkreisen ist auch immer ein Vertreter der IT. Es gibt natürlich auch ein solches Gremium für die IT, in dem Vertreter aller Gesellschaften sitzen und in dem wir unsere Ideen präsentieren und mit der Sonepar-Strategie abstimmen.
Sonepar Deutschland hat das Potenzial elektronischer Geschäftsprozesse erkannt, sowohl auf der Einkaufs- als auch auf der Verkaufsseite. Welche Voraussetzungen muss die Informationstechnologie für Anwendungen wie E-Billing, E-Procurement & Co. erfüllen?
Die Informationstechnologie muss offen sein, um das B2B-Geschäft effektiv zu unterstützen. Das heißt, wir brauchen Systeme, die auf der einen Seite über definierte Strukturen auf unsere internen Daten zugreifen können und sowohl das Einlesen als auch den Abruf von Informationen zulassen. Hier muss eine harte Sicherheitsschwelle eingebaut sein, die unsere Daten schützt. Auf der anderen Seite brauchen wir eine hohe Flexibilität, um Kunden, Lieferanten oder Marktplätze sowohl über gängige Standards als auch über individuelle Schnittstellendefinitionen anbinden zu können.
Welche Rolle spielt Information Governance - der Effizienzgrad, wie Informationen im Unternehmen kontrolliert, nutzbar gemacht und geschützt werden - für die IT-Strategie von Sonepar?
Information Governance spielt für alle IT-Organisationen eine wichtige Rolle in einer Zeit, in der über das Internet eine höhere Bandbreite zur Verfügung steht, als noch vor wenigen Jahren in lokalen Netzen. Die rasend wachsenden Datenmengen erleichtern den Missbrauch dieser Daten, erhöhen das Risiko inkonsistenter und irreführender Informationen, machen Unternehmen angreifbar und erschweren eine effiziente Nutzung. Die Sonepar setzt auf Kategorisierung und Klassifizierung, um die Zahl der zu verwaltenden Strukturen von der Menge der tatsächlich anfallenden Einzeldaten zu entkoppeln.
Welches sind aus technologischer Sicht die größten Herausforderungen, vor denen Sie im Moment stehen und wie lösen Sie diese?
Da ist zunächst die Verwaltung der großen Datenmengen, hier insbesondere der Backup-/Restore-Prozess und die Archivierung. Wir haben das durch die Einführung eines Zweischritt-Verfahrens gelöst, in dem zunächst in einen Zwischenbereich gesichert wird, aus dem die Daten auch während einer definierten Zeit zurückgeladen werden und aus dem wir in einem zweiten Schritt auf langsamere Speichereinheiten schreiben können. Dann stellt sich die Frage, wie Informationen aus diesem großen Datenpool effizient bereit gestellt werden können. Wir haben das durch Virtualisierung gelöst. Die Anwendungen, die aus einer großen Datenbasis die benötigte Information selektieren, laufen auf zentralen Anwendungs-Servern und können über schnelle, lokale Netze auf die Daten zugreifen. Über die langsameren Remote-Leitungen läuft dann nur noch die Darstellung auf dem Bildschirm. Dadurch erreichen wir nicht nur zuverlässig kurze Antwortzeiten, sondern wir sparen uns auch das Sichern der Daten vor Ort durch den Anwender. Die wirklich großen Herausforderungen liegen nicht im Bereich der Technologie, sondern in der Organisation und im Prozessverständnis.
Stichwort Cloud Computing: Wie könnte ein Einsatzszenario bei Sonepar aussehen und was wären die Voraussetzungen? Spielt die Virtualisierung eine Rolle?
Ein mögliches Einsatzszenario könnte der Betrieb von Office-Anwendungen einschließlich Mail in einer Cloud sein. Voraussetzung wären klare Konzepte zu Datensicherheit, Berechtigungssteuerung und eine saubere Organisation, wie die relevanten Informationen aus diesem Bereich in die IT-Prozesse der Sonepar eingebunden werden könnten. Virtualisierung soll heute vor allem die Bereitstellung hochverfügbarer Umgebungen erleichtern. Zusätzlich unterstützt sie die effiziente Nutzung von Hardware-Ressourcen. Vielleicht ist sie ein wichtiger Schritt zum Cloud Computing, weil auch hier schon die Software nicht mehr auf fest zugeordneten Rechnern läuft.
Wie hat sich das Aufgabenfeld des Geschäftsführers eines IT-Dienstleisters in den vergangenen Jahren gewandelt? Welche Fähigkeiten sind heute vor allem von Ihnen gefragt?
Anwender interessieren sich nicht mehr für technische Lösungen. Tiefes Systemwissen und die Fähigkeit, dieses Wissen in die Praxis umzusetzen, wird als Standard vorausgesetzt. Der IT-Dienstleister von heute muss in der Lage sein, die Prozesse und Anforderungen seiner Anwender zu verstehen und er muss ihnen Lösungen in einer Sprache erklären können, in der er verstanden wird. Zusätzlich besteht seine Aufgabe darin, zwischen den Systemspezialisten, die immer komplexer werdende IT-Landschaften aufbauen und verwalten, sowie den Anwendern, die hohe Erwartungen an diese IT-Landschaften knüpfen, zu vermitteln und zu übersetzen.
Welche Entwicklungsszenarien sehen Sie für den Elektrogroßhandel in der Zukunft? Welche Rolle wird die IT dann spielen?
Die Prozesse der Zukunft werden zunehmend vernetzt laufen. Die besondere Herausforderung für den Elektrogroßhandel wird es sein, als effiziente Brücke zwischen den Lieferanten und den Kunden aufzutreten. Es geht um das Sammeln, und die Anreicherung von Informationen und deren zielorientierter Bereitstellung für die Kunden sowie um Transparenz und Geschwindigkeit bei logistischen Prozessen. Hier setzt die IT die B2B-Prozesse auf und überwacht sie. Eine der Schlüsselfunktionen des Elektrogroßhandels ist die genaue Kenntnis von Artikeln und die Bereitstellung von Artikelinformationen, angefangen bei einer effektiven Suchfunktion bis hin zur Bereitstellung von Preisdateien und Katalogen. Auch hier liefert die IT den Mehrwert, Artikel zu klassifizieren und Wege zu Alternativ- und Ersatzartikeln zu finden. Die Herausforderung ist, die für den Elektrogroßhandel relevanten Daten zu identifizieren, sie zu verwalten, aufzubereiten und über definierte Berechtigungsstrukturen für Nutzer verfügbar zu machen. Ziel ist die Zuverlässigkeit unserer Prozesse zu gewährleisten und den Kunden Services zur Erleichterung ihrer Arbeit zu bieten.
Interview
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