1766 zog auf Weisung der Herzogin Anna Amalia die höfische Büchersammlung in das Grüne Schloss in Weimar um. Seitdem hat sich die Bibliothek der Aufgabe gewidmet, Kulturgut zu sammeln und zu bewahren. Heute umfasst ihr weltberühmter historischer Bestand unersetzliche Schätze wie die Faust-Sammlung mit 14.000 Bänden sowie Landkarten und Atlanten aus dem 15. bis 19. Jahrhundert. Damit gehört die Herzogin Anna Amalia Bibliothek (HAAB) zur Wiege der deutschen klassischen Kultur und ist Teil des Gesamtensembles Weimarer Klassik, das von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt wurde. Um die historischen Werke dauerhaft zu schützen, begann die Bibliothek schon vor drei Jahren im
Weltkultur digital
Durch das Scannen entstehen
für jede einzelne Seite Rohdaten mit bis zu 145 MB, die sämtliche
Bild- und Farbinformationen enthalten. Diese werden sodann in verschiedene
Formate für die Weiterverarbeitung konvertiert. Als Basis für
die Sicherungsverfilmung dienen TIFF-
Für den Aufbau dieses über das Internet einsehbaren Archivs
stellt EMC das Langzeitspeichersystem EMC Centera mit einer Kapazität
von 28 Terabyte zur Verfügung. Das plattenbasierte Archiv wurde
eigens für die langfristige Aufbewahrung unveränderlicher
digitaler Inhalte – so genannten Fixed Content entwickelt. Aufgrund
seiner Architektur ist EMC Centera hochskalierbar, eignet sich für
die Online-
Rahmen der Maßnahmen der Bundesregierung zum Schutz von Kulturgut mit ihrer digitalen Sicherung. Welcher Verantwortung für den Schutz unseres Kulturguts die HAAB damit nachkommt, verdeutlicht der verheerende Brand des Bibliotheksgebäudes im September 2004 (siehe Kasten: Der Brand und die Folgen). Doch die HAAB geht über die Sicherungsverfilmung, wie sie das Bundesamt für Zivilschutz vorschreibt, hinaus: Die digitalen Abbildungen werden in einem Online-Archiv erfasst und stehen einem weltweiten Publikum im Internet zur Recherche und zur Einsicht zur Verfügung (siehe Kasten: Weltkultur digital).
Dichter und Denker digital
Ziel des Projektes ist, die wichtigsten Werke im Internet verfügbar
zu machen und gleichzeitig die kostbaren Originale vor übermäßiger
Benutzung zu schützen. Durch die Digitalisierung des historischen Bestands
kann die Bibliothek darüber hinaus künftig einen besseren und schnelleren
Service für Wissenschaftler und Verlage anbieten, die einzelne Seiten
oder ganze Bücher für Recherchen oder Nachdrucke benötigen.
Auf Basis der so genannten Digitalisate lassen sich erheblich bessere und
günstigere Reprints erstellen, ohne die Originale jedes Mal neu zu belasten.
Ausgewählt werden die Objekte nach Kriterien wie Farbigkeit, Material,
Alter, Sammlungsbezug, Seltenheit und Herkunft. So ist beispielsweise geplant,
die gesamte Faust-
Einzug ins Web
Die HAAB hat im Rahmen des Projekts mittlerweile gut 125 Bücher digitalisiert.
Im ersten Schritt wird mit einem Hochleistungsscanner jede einzelne Seite
abfotografiert. Dabei können Formate bis A0 sowie unterschiedlichste
Vorlagen wie Buchseiten, Umschläge, Grafiken, Fotos, Gemälde mit
Rahmen, Reliefs, Miniaturen usw. erfasst werden. Dieses Verfahren ist besonders
flexibel und schonend für die Originale. Die digitalen Bilddaten werden
sodann geprüft, gegebenenfalls nachbearbeitet und in einem Dokumenten-
Der Brand und die Folgen
Am 2. September 2004 verursachte ein defektes Kabel im Dachboden der Herzogin Anna Amalia Bibliothek den größten Bibliotheksbrand in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. Drei Tage lang vernichteten die Flammen kostbare Werke und richteten großen Schaden im historischen Rokokosaal an. Mehr als neunhundert Helfer von der Feuerwehr über das Technische Hilfswerk, Rote Kreuz und Mitarbeiter der Bibliothek und anderer Kultureinrichtungen bis hin zu Weimarer Bürgern haben in der Brandnacht und in den Tagen danach wertvolle Kunstwerke und zehntausende Bücher evakuiert oder aus dem Brandschutt geborgen. Mindestens 50.000 Bände sind als Totalverlust zu verbuchen. Weitere 62.000 Bände wurden durch das Löschwasser und den Brand zum Teil stark beschädigt. Insgesamt rechnet die Bibliothek damit, dass die Restaurierung der geschädigten Bücher mehr als 10 Jahre dauern wird. Für diese Arbeit veranschlagt sie etwa 20 Millionen Euro. Für die Wiederbeschaffung von Büchern, die auf dem Buch- und Antiquariatsmarkt erhältlich sind, rechnet sie mit weiteren 47 Millionen Euro. Nicht kalkulierbar sind jedoch Verluste wie die unersetzbare Musikaliensammlung der Anna Amalia. Weitere Informationen zum Brand: www.anna-amalia-bibliothek.de
Interview mit Dr. Michael Knoche, Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
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