Der irische Verleger und Software-Entwickler Tim O'Reilly rief 2004 den Begriff Web 2.0 medienwirksam ins Leben und machte ihn salonfähig. Seitdem wächst das digitale Universum explosionsartig an, laut IDC jährlich um 60 Prozent. In der Geschäftswelt war Web 2.0 bislang ein eher diffuser Begriff, denn die neuen interaktiven und kollaborativen Elemente des Internets wurden vornehmlich im privaten Bereich genutzt. Mittlerweile hat das Web 2.0 auch Einzug in die Unternehmen gehalten und wird künftig kaum aus dem Arbeitsalltag wegzudenken sein. Immer mehr verschwimmen schon jetzt die Grenzen zwischen geschäftlichen und privaten Kommunikationswegen. Das Leben, Arbeit wie auch Freizeit eingeschlossen, wird digital. Das sogenannte Digital Life lässt eine klare Trennung zwischen Privatem und Beruflichem nicht mehr zu. Der Arbeitsplatz wandelt sich schrittweise zu einem virtuellen Raum, der nicht länger an einen bestimmten Ort gebunden ist. In diesem virtuellen Raum verschwinden Distanzen und sogenannte Collaboration-Werkzeuge ermöglichen flexible Teamkonstellationen. Stehen dem Mitarbeiter dann auch sämtliche Anwendungen online zur Verfügung, die er für seine Arbeit benötigt, wird der traditionelle Arbeitsplatz samt Desktop-Computing zum Auslaufmodell. Ein solches Konzept trägt in ökonomischer wie auch ökologischer Hinsicht der Nachhaltigkeit eines Unternehmens Rechnung. Nicht nur finanzielle Ressourcen, sondern auch wertvolle Energie kann auf diese Weise eingespart werden. Mitarbeitern erlaubt es darüber hinaus flexiblere Arbeitszeitmodelle, die den neuen Rahmenbedingungen des Digital Life gerecht werden. Wenn die Menge an Informationen stündlich wächst, Geschäftsprozesse immer komplexer werden, in den virtuellen Raum wandern und Ansprüche an Mobilität wie Flexibilität steigen, hat das Konsequenzen für die IT eines Unternehmens. Infrastrukturen wie auch Prozesse müssen für die Zukunft fit gemacht werden.
Innovationsträger IT-Infrastruktur und Rechenzentrum
Dabei lautet die Handlungsmaxime: Die IT muss das Geschäft optimal unterstützen. Um den stetigen Änderungen der Geschäftsprozesse Rechnung zu tragen, gehören Flexibilität und Skalierbarkeit zu den primär erforderlichen Eigenschaften einer solchen zukunftsfähigen Infrastruktur. Die Geschäfts- und Rechenzentrumsprozesse werden im Web abgebildet und in einer sogenannten Cloud vorgehalten. Um die Herausforderung des Cloud Computing praktisch umzusetzen, bedarf es vor allem der Standardisierung von Prozessen, Prozessdesign und ausreichender Sicherheit der Daten. Mit dieser Entwicklung verschiebt sich auch die Kernkompetenz der IT-Abteilung. Ihr kommt die Rolle des Innovators und Prozessberaters zu. Zeitraubende Routineaufgaben und aufwendiges Infrastrukturen-Management stehen dem derzeit jedoch im Wege. Um den strategischen Aufgaben gerecht zu werden, müssen alle strategisch nicht relevanten Tätigkeiten im Rechenzentrum ausgelagert werden.
Gemietete Software unterstützt Geschäftsprozesse
Software-as-a-Service (SaaS) heißt das Modell, bei dem Software von einem Anbieter als Dienstleistung per Browser bereitgestellt, betrieben und gewartet wird. Analysten prognostizieren dem Marktsegment ein erhebliches Wachstum. So sagt Gartner dem Markt für SaaS-Lösungen eine Steigerung auf 11,5 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2011 voraus. Vor einigen Jahren gab es bereits erste Anläufe von Application Service Providern (ASPs), die Anwendungen ihrer Kunden im eigenen Rechenzentrum betrieben. Problematisch hierbei erwies sich der Kostenfaktor, denn die ASPs hielten individuell auf ein Unternehmen zugeschnittene Lösungen vor. Als erfolgreicheres Nachfolgekonzept schließt sich nun SaaS an. Anders als bei ASPs folgen die SaaS-Anbieter dem sogenannten One-to-many-Ansatz, bei dem Prozesse standardisiert werden. Indem die Dienstleis-ter eine bestimmte Anwendung für eine größere Anzahl an Kunden gleichzeitig betreiben (Multi-Tenant-Lösung), können sie ihren Service wesentlich preisgünstiger anbieten. Der Kunde entrichtet einen fixen monatlichen Mietbetrag für alle anfallenden Leistungen. Effizient eingesetzt werden kann SaaS beispielweise in den Bereichen Customer Relationship Management (CRM) und Enterprise Resource Planning (ERP). Vor allem mittelständische Unternehmen setzen für den Ausbau ihrer Vertriebskanäle und für die Bereiche CRM und ERP Software via plattformbasierter On-Demand-Lösungen über das Internet ein.
Untersuchungen McKinseys zufolge fallen die Gesamtkosten vor allem im Bereich CRM durch den Einsatz von gemieteter Software um 30 Prozent niedriger aus. Zusätzlich haben Firmen die Möglichkeit, hohe Investitionen für Hardware zu umgehen, und können sich besser auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Für dezentral aufgestellte Unternehmen ist SaaS eine attraktive Lösung, da Mitarbeiter unabhängig von ihrem Standort jederzeit via Internet auf die benötigten Anwendungen zugreifen können.
Geschäfte und Prozesse im virtuellen Raum
So wandern nicht nur einzelne Anwendungen in die Online-Welt, sondern ganze Prozesse werden über das Internet abgewickelt. Doch es geht nicht nur um Anwendungen und Geschäftsprozesse. Die Anforderungen des Digital Life stellen auch die Infrastruktur als solche vor neue Herausforderungen. Sie muss sich der Tatsache stellen, dass Geschäftsabläufe im virtuellen Raum stattfinden und weit über die physikalischen Grenzen der Unternehmensstandorte hinausreichen. Die Verfügbarkeit und Sicherheit der Daten steht dabei ganz oben auf der CIO-Agenda.
Um das Geschäft aufrechtzuerhalten, müssen Unternehmen ein beträchtliches Maß an personellen und finanziellen Ressourcen für das Infrastruktur-Management als wesentliche Wertschöpfungsfaktoren in den Unternehmensprozessen aufwenden. Die Möglichkeit, die Infrastruktur nicht mehr unternehmensintern zu betreiben, sondern als Dienstleistung zu konsumieren, gewinnt deshalb insbesondere für mittelständische Unternehmen rapide an Bedeutung. Dies gilt besonders für die Datensicherung von ausgelagerten Büros. Im Vergleich zu herkömmlichen Umgebungen haben On-Demand Backup-Dienste eine nahezu unmittelbare Reaktionszeit. Die IT-Abteilung kann den Service somit schnell und flexibel für zahlreiche Endgeräte einsetzen. Neue Benutzer sind nicht mehr länger auf unternehmensinterne Installationen angewiesen, sondern müssen lediglich freigeschaltet werden.
Einer von Forrester durchgeführten und im Mai 2008 veröffentlichten Studie "Solving Backup Challenges with Software-as-a-Service" zufolge, haben 45 Prozent der in den USA und Europa befragten Firmen keine Datensicherung für die PCs ihrer externen Büros. Hauptgrund dafür ist, dass ein Großteil der Unternehmen seine Datensicherung "On-Premise", also intern, durchführt und keine automatisierte Lösung implementiert hat. Nach Einschätzungen von Forrester wird sich dies jedoch in den kommenden Jahren deutlich in Richtung On-Demand verschieben. Wie Forrester ermittelte, planen schon jetzt 46 Prozent der von ihnen befragten Unternehmen den Einsatz einer Backup-on-Demand-Lösung innerhalb der nächsten zwölf Monate.
Sicherheit wird zur Vertrauensfrage
Es bedarf eines großen Maßes an Vertrauen, um sensible Daten und kritische Prozesse in die Hände Dritter zu legen. Um nicht strategische IT-Prozesse an einen Dienstleister erfolgreich auszulagern, gibt es mehrere Kriterien zu berücksichtigen und in ihrem Gesamtzusammenhang zu betrachten. Allgemeingültige Lösungen kann es im Hinblick auf die unterschiedlichen Anforderungen verschiedener Unternehmen nicht geben.
Zunächst einmal müssen die strategischen Aufgaben und standardisierbaren Routineabläufe voneinander abgegrenzt werden. Um effiziente Services zu konsumieren, müssen Standardschnittstellen und die unternehmensintern geforderten Leistungen definiert werden. Unternehmenspolitische Überlegungen, personelle Ressourcen und die bestehende IT-Umgebung - all das sind Themen, die für eine Implementierung entscheidend sind und die Wahl des dafür passenden Dienstleisters beeinflussen.
Die Angst vor Systemausfällen und Missbrauch ist ebenfalls ein Hemmschuh, Prozesse ins Web auszulagern. Beides, die kontinuierliche Verfügbarkeit von Daten und Prozessen wie auch der Schutz des geistigen Eigentums eines Unternehmens, müssen für den CIO Priorität haben. Cloud Computing wird in Zukunft ein Mittel der Wahl sein, wenn es darauf ankommt, die immer komplexer werdenden Infrastrukturen und Prozesse eines Unternehmens auch langfristig im Griff zu behalten. CIOs schaffen sich durch die zukunftsfähige Auslagerung von Routineaufgaben mittels Cloud Computing und SaaS Freiräume, um ihrer strategischen Aufgabe als Innovator und Prozessberater nachzukommen.
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